Die keramischen Wärmeaustauscher werden versandfertig gemacht.
Geschäftsführerin Sybille Kaiser (Mitte) im Gespräch mit Marcel Richter (links) und Holger Haupt.
Die Anfänge liegen im Jahre 1890, als am 6. Januar fast am identischen Standort die neu erbaute Porzellanfabrik Kahla, Filiale Hermsdorf-Klosterlausnitz die Produktion aufnahm. Produziert wurde seinerzeit noch ausschließlich Geschirr.
Das änderte sich schon zwei Jahre später, als die Hermsdorfer auf die steigende Nachfrage nach Porzellanisolatoren reagierten, die sich aus der stürmischen Entwicklung der Elektrotechnik ergab.
"Wer Isolatoren kann, kann alles", sagt Geschäftsführerin Sybille Kaiser lachend und verweist stolz auf ihre Belegschaft in der heutigen Porzellanfabrik Hermsdorf.
Wenn sie erklärt, wie behutsam man angesichts von Wandstärke und Größe die teils meterhohen Porzellankörpern behandeln muss, sind ihre Schilderungen von Ehrfurcht getragen. Wer in dem Unternehmen arbeitet, 71 Mitarbeiter stellen derzeit die Stammbelegschaft, der ist in Sachen technisches Porzellan [2] ein Spezialist.
Die Großisolatoren allerdings, die mit der Entwicklung der legendären Delta-Glocke im Jahre 1897 beginnend den Ruf Hermsdorfs als Wiege des technischen Porzellans begründen, gehören in die Vergangenheit. Im Jahre 2000 wurde die Produktion eingestellt. "Wir waren einfach zu klein, schrieben damals tiefrote Zahlen. Die Schließung drohte", erinnert sich Sybille Kaiser an den schmerzlichen Abschied von der Glocke.
Sich von der traditionsreichen Produktion zu trennen, sei den Leuten schwer gefallen, doch es reifte die Einsicht, dass man allein mit "Tradition nicht überleben kann", kommt Sybille Kaiser auf die Wabenkeramik zu sprechen, die heute Schwerpunkt des Produktionsprofils ist und ebenso versierte Porzelliner erfordert.
Dennoch hält die Porzellanfabrik Hermsdorf die Tradition hoch. Von den heute noch existierenden Firmen, die nach der Wende aus dem Industrie- und Forschungskomplex des Kombinatsbetriebes Keramische Werke Hermsdorf hervorgegangen sind, ist das Unternehmen das einzige, das dem ursprünglichen Produktionsprofil noch voll entspricht. Symbolisiert wird dies auch durch die Beibehaltung des originalen Warenzeichens, der drei übereinander gesetzten Dreiecke, welche eine stilisierte Delta-Glocke darstellen.
Daher auch der Name "Tridelta", erinnert Frau Kaiser an den Sommer 1990, als aus dem Kombinat Keramische Werke Hermsdorf die Tridelta AG wurde, die seinerzeit elf aus ehemaligen Bereichen hervorgegangene Betriebe vereinte.
Der 1897 in (1.897 in = 48,2 m) der Hermsdorfer Porzellanfabrik entwickelte Proto-Typ eines Hochspannungs-Isolators bedeutete seinerzeit enormen Fortschritt und verschaffte der Holzlandstadt den bis zum heutigen Tage gültigen Ruf als Wiege der technischen Keramik.
Bewusst sei man bei der Neugründung am 3. Mai 1996 mit der Namensgebung zu den Wurzeln zurückgekehrt, betont Sibylle Kaiser und spannt den Bogen zum jüngsten Kapitel heimischer Industriegeschichte. Es beginnt im September 1991 als die gesamte Tridelta-Belegschaft das Autobahnkreuz besetzte, um den Industriestandort gegen die Abwicklungspläne der Treuhand zu verteidigen.
Mit Erfolg, denn die Porzellanfabrik hat sich in der Marktwirtschaft behauptet und feiert das Jubiläum 250 Jahre Porzellanland Thüringen mit.Ingo Tröbst beim Schleifen einer Trommelmühle. Säure- und abriebbeständig finden sie Einsatz in der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie.
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